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Wie viel Elektronik verträgt mein Kind?
Keinen Teddybären, sondern ein Handy wünscht sich so manches Kind unter dem Weihnachtsbaum. Aber wie viele elektronische Geräte sind gut für ein Kind?

Weihnachten: Während Kinder schon ab September mit weihnachtlichen Konsumwaren auf das Fest vorbereitet werden, ist es für Eltern oft schwierig, das richtige Geschenk zu finden. Denn so manche Kinder sind ganz schön anspruchsvoll.
Mit einem Stofftier ist es nicht getan. Vielmehr wünscht sich der Nachwuchs einen Fernseher, ein Notebook oder ein Handy. Vor allem Letzteres steht hoch oben auf der Prioritätenliste. Aber ab welchem Alter sind elektronische Geräte sinnvoll? Kinder & Co hat Petra Mandl, Expertin von der MAG ELF, gefragt.
Kinder & Co: Fernseher im Kinderzimmer, Handy, iPod, ein eigener Computer –manchen Eltern ist die Ausstattung zu viel. Ist es klüger, seinen Kindern überhaupt keine elektronischen Geschenke zu machen?
Petra Mandl: Elektronische Geräte wie Handy, Computer, Spielkonsolen etc. sind mittlerweile ein fixer Bestanteil unseres Alltags geworden, somit haben diese Dinge längst Einzug in die Kinderzimmer gehalten. Die beste Art damit umzugehen ist, sich bei der Wahl des Geschenks genau darüber zu informieren, was für das eigene Kind am besten geeignet ist.
Es gibt schon für kleinste Kinder Spielzeug, die elektronisch funktionieren. Ist das sinnvoll? Oder schränken solche Dinge nicht die Fantasie der Kinder ein?
Kindliche Fantasie braucht in erster Linie Freiräume und Zeiten der Ruhe, um sich zu entfalten. Ob die Puppe perfekt spricht oder ein Spielzeugauto mit Lampen und Geräuschen ausgestattet ist, ist daher kein Kriterium für mangelnde Fantasie. Wichtig ist, ob die Kinder Zeit haben, sich in Ruhe in ihr Spiel vertiefen zu können, eigene Geschichten dabei erfinden, und dass Personen um sie sind, die sich in ihr Spiel einbinden lassen.
Ab welchem Alter ist es sinnvoll, dass ein Kind einen eigenen Fernseher hat?
Kinder und Jugendliche werden heute in eine Medienwelt hineingeboren. Sie wachsen ganz selbstverständlich im „Mediendschungel“ von Fernsehen, Handy und Internet auf und nutzen Medien tagtäglich für die unterschiedlichsten Zwecke. Ein eigener Fernseher im Kinderzimmer mag bei der vielfältigen Programmauswahl, die durch Kabel und Satellit gegeben ist, den familiären Konsens über das einzuschaltende Programm einfacher machen. Außerdem kann die eigene Spielkonsole angeschlossen werden, was manchen Eltern auch Nerven spart, wenn der Lärm durch die Spiele und die vor Spannung und Aufregung kaum ansprechbaren Kids aus dem Wohnzimmer verbannt werden. Man muss sich jedoch darüber im Klaren sein, dass man damit ein Stück Kontrolle über den täglichen Fernsehkonsum abgibt.
Und was ist mit einem eigenen Computer?
Mit dem Computer verhält es sich ähnlich. Die Eltern sollten auf keinen Fall die Kontrolle über das, was ihre Kids am Computer machen, verlieren. Vor allem sollte man den Zugang zum Internet genau überlegen. Der Computer ist allerdings auch bereits fixer Bestandteil in der Schule, und von den SchülerInnen wird zunehmend selbstständiges Arbeiten und Recherchieren im Internet gefordert. Da bereits Volksschulkinder NutzerInnen sozialer Netzwerke wie Facebook und Co. sind, ist eine Auseinandersetzung der Eltern mit ihren Kindern zu diesem Thema unerlässlich.
Fehlt nur noch das eigene Handy …
Wünscht sich das Kind ein eigenes Handy, sollten vorab Gespräche zwischen Eltern und Kind stattfinden, in denen geklärt werden muss, wofür das Kind glaubt, ein eigenes Handy zu benötigen. Welchen Einfluss auf seinen Wunsch haben die FreundInnen? Welches Handymodell und welcher Vertrag sind geeignet? Welche Chancen und Risiken ergeben sich aus dem Handybesitz?
Es gibt auch Kindercomputer, was ist von ihnen zu halten? Oder ist ein Buch immer das „bessere“ Geschenk?
Kindercomputer sind meist nur für einen kurzen Zeitraum interessan, und liegen dann meist als elektronischer Schrott in einer Ecke. Es gibt bereits genug Software, die, gemeinsam mit den Eltern, auch von jüngeren Kindern am „Familien-PC“ benutzt werden kann. Übrigens: Ein Buch ist darüber hinaus immer ein sinnvolles Geschenk!
Vielfach geht es ja darum: Mein Freund hat … ich will das auch – wie kann man damit umgehen?
Der angemessene Umgang mit kindlichen Konsumwünschen ist heute eine echte Herausforderung für Eltern geworden. Kinder sollten lernen, dass das Konsumverhalten in einer Familie immer der finanziellen Situation entsprechen soll. Eltern haben hier eine starke Vorbildwirkung. Ein schöner Anlass zum Erfüllen von Wünschen ist der Geburtstag oder Weihnachten. Das Kind lernt Bedürfnisse aufzuschieben, das heißt, auf die Erfüllung von ganz besonderen Wünschen auch einmal warten zu müssen. Größere Geschenke „zwischendurch“ sollten eine bewusste Ausnahme bleiben. Äußert das Kind nachhaltig einen dringlichen Wunsch, auf den es nicht bis zum nächsten Ereignis warten will, ist der Hinweis auf die begrenzte Verfügbarkeit von Geld angebracht. Kinder brauchen Grenzen! Sie brauchen die Gewissheit, dass sie, wenn es nötig ist, gebremst werden. Dadurch wird ihnen Sicherheit vermittelt: Eltern, auf die man sich verlassen kann, bieten Geborgenheit. Natürlich kann es Ausnahmen geben. Muss es allerdings dann tatsächlich die Markenjeans sein, welche die beste Freundin auch hat, ist Verhandlungsbereitschaft gefragt: Man kann das Geld, das ein herkömmliches Modell kosten würde, zugestehen und den fehlenden Rest vom Taschengeld bestreiten lassen.
Was ist ein gutes „Kinderhandy“? Was kann ein Kind wirklich brauchen, womit macht man aber auch eine Freude?
Ein gutes Handy ist sicher eines, welches vom Kind leicht bedient werden kann. Auf- und Abdrehen, Stummschalten etc. sollen unkompliziert möglich sein, die Handynummern der wichtigsten Bezugspersonen leicht wählbar sein. Wenn es das erste Handy ist, soll vielleicht auf ein günstigeres Modell zurückgegriffen werden, da doch ein Verlust leicht möglich ist.
Welche Einschränkungen soll es geben in Bezug auf
… Handy?
Zunächst ist eine Wertkarte sicher sinnvoll, um unkontrolliertem Telefonieren und SMS-Konsum Vorschub zu leisten. Diese kann durchaus auch vom Taschengeld mitfinanziert werden.
… Fernseher?
Fixe Fernsehzeiten bzw. gemeinsame Auswahl von Sendungen im Voraus haben sich als sinnvoll erwiesen.
… Computer?
Auch hier erscheint eine Vereinbarung über die Dauer der Nutzung sinnvoll, ebenso über die Inhalte, vor allem wenn ein Internetzugang besteht und die Kinder Facebook-UserInnen sind.
Angenommen, eine Familie hat zwei Kinder, das Ältere bekommt ein Handy, dann will das Jüngere natürlich auch eines – was tut man da? Darf es der/die Kleinere dann auch manchmal haben?
Kleinere Geschwister wachsen damit auf, dass die Ältern mit allem die Ersten sind. Es sollte der Hinweis genügen: „Wenn du auch so alt bist, bekommst du auch eines.“ Ich würde nicht dazu raten, jüngere Geschwister das Handy mitbenützen zu lassen, da dann der Streit bei Beschädigungen, gelöschten Daten etc. vorprogrammiert ist.
Sollte man zu Beginn immer dabei sein, wenn das Kind das Gerät ausprobiert?
Das ist sicher sinnvoll, um Funktionen zu erklären, aber auch um die Kinder auf die „Zeitdimension“ aufmerksam zu machen. Wie lange dauert ein Gespräch? Wie viel kostet das? Wie viele SMS wurden an einem Tag versendet? Was kostet das? Gerade hier tappen Kinder und Eltern oft in die Kostenfalle.
Wann ist es Zeit für ein „neues“ Handy?
Wenn ein Kind gelernt hat auf sein Handy aufzupassen und es auch die Gesprächszeiten und SMS-Häufigkeit im Griff hat, kann durchaus überlegt werden, auf ein anderes Modell bzw. von der Wertkarte auf einen Vertrag umzusteigen, weil es für die Familie günstiger ist.
Was, wenn das Kind das Gerät unabsichtlich kaputt gemacht hat, weil es nicht gut aufgepasst hat? Ist es klug, trotzdem ein neues schenken? Oder ist das negativ für den Lerneffekt des Aufpassens?
Üblicherweise sind die Kinder durch so einen Verlust selbst so getroffen, dass dies meist Strafe genug ist. Trotzdem sollte mit der Anschaffung eines neuen Handys gewartet werden, bis sich z.B. wieder ein günstiges Angebot bzw. ein Anlass zum Schenken ergibt. Die Kinder sollen dadurch auch sehen, dass für die Eltern solche Anschaffungen auch nicht immer sofort und gleich möglich sind.
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